Islamismus in Palästina - Muslimbruderschaft, Hamas und Islamischer Jihad
Vortrag und Diskussion mit Gudrun Krämer
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Als mit Beginn der palästinensischen Aufstandsbewegung 1987 (der ersten „Intifada“) die Hamas als politische und militärische Organisation gegründet wurde, ahnten nur wenige, zu welcher Macht sie sich in Palästina entwickeln würde. Seither ist jedoch vielfach aus dem Blick geraten, aus welchen ideologischen und organisatorischen Quellen Hamas hervorging und bis heute schöpft: der Muslimbruderschaft.
Ende der 1920er Jahre in Ägypten gegründet, breitete sich die Muslimbruderschaft rasch in der arabischen Welt aus. In Palästina war sie bereits Ende der 1930er Jahre aktiv, unter anderem in der Unterstützung des palästinensischen Aufstands und des Generalstreiks von 1936 bis 1938. Seit den 1960er Jahren gewann sie in den Bereichen soziale Fürsorge und Bildung, die sie in den islamisch-konservativer Weise prägte, einigen Einfluss. Diese Entwicklung blieb auf politischer Ebene lange weitgehend unbeachtet – abgesehen von ihrer Rolle als Konkurrenz zu den Organisationen der PLO.
Mit der Gründung der Hamas setzte eine neue, offen politische Phase des Islamismus in Palästina ein. In ihrer Charta erklärte die Hamas 1988 die Zerstörung des Staates Israel zu ihrem Ziel, 2017 deutete eine neue Grundsatzerklärung eine pragmatische Wende an, das Massaker vom 7. Oktober 2023 zerstörte bis auf Weiteres alle Hoffnung auf einen friedlichen Ausgleich.
Die Veranstaltung geht den Ursachen, Triebkräften und Entwicklungsphasen des Islamismus nach und diskutiert nötige und mögliche Schritte zu einem langfristigen und gerechten Frieden.
Prof. Dr. Gudrun Krämer ist Islamwissenschaftlerin und Historikerin sowie Autorin zahlreicher Publikationen über Islamismus, Politischen Islam und die Geschichte des Islam. Sie hat eine umfassende Geschichte Palästinas von den Anfängen bis zur Gründung Israels verfasst. Für ihre Biografie des Muslimbruderschaft-Gründers Hasan al-Banna erhielt sie 2025 den Deutschen Historikerpreis.
Moderation: Martin Dieckmann